Geoffrey Hinton, der „Godfather of AI“, hat in einem Interview einen Satz gesagt, der bei mir hängengeblieben ist. Auf die Frage, was er Menschen in Bezug auf ihre Berufsaussichten in einer Welt mit Superintelligenz raten würde, antwortete er: „Lernt, Klempner zu werden.“

Und er meinte das nicht als Scherz. Hinton, dessen Forschung die Grundlagen moderner KI geschaffen hat, sieht eine Zukunft, in der Superintelligenz nicht nur unsere Jobs, sondern unser gesamtes Selbstverständnis infrage stellen wird.
Warum ausgerechnet ein Klempner?
Ganz einfach: Bis humanoide Roboter mit feinmotorischen Fähigkeiten Realität sind, ist das ein Beruf, der schwer zu automatisieren ist. KI kann Texte schreiben, Code entwickeln, Bilder malen, Verträge prüfen und Diagnosen stellen – aber unter der Spüle den Siphon austauschen? Das dauert.
Hinton bringt es auf den Punkt: Körperliche Arbeit, die Kreativität, Flexibilität und Improvisation erfordert, wird länger gefragt sein als vieles, was heute als „geistige Arbeit“ gilt.
Der Trend im Arbeitsmarkt bestätigt es
Eine aktuelle StepStone-Analyse in Kooperation mit dem Handelsblatt zeigt, wie real Hintons Warnung ist:
Der Anteil der Stellenanzeigen, die sich explizit an Berufseinsteiger richten, ist in Deutschland im ersten Quartal 2025 auf ein historisches Tief gefallen – 45 % unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
Zwei Gründe stechen hervor:
- Wirtschaftliche Unsicherheit – Unternehmen stellen vorsichtiger ein.
- Rasanter Einsatz von KI – Standardaufgaben, die früher an Junioren gingen, werden zunehmend automatisiert.
Das bedeutet: Selbst Hochschulabsolvent:innen und Young Professionals konkurrieren heute nicht mehr nur mit erfahrenen Kräften, sondern mit Software.
Die zwei großen Risiken
Wer mir und meinem Blog folgt, weiß, dass ich nicht der große Schwarzseher bin, wenn es um KI geht. Doch Hinton erklärt in diesem Video die zwei Gefahren, die seiner Meinung nach von künstlicher Intelligenz ausgehen:
- Missbrauch von KI durch Menschen – etwa für Cyberangriffe, Wahlmanipulation, Biowaffen oder automatisierte Propaganda.
- KI, die uns übertrifft und uns nicht mehr braucht – der „berüchtigte“ Science-Fiction-Plot, der plötzlich realistisch wirkt.
Beides sei ernst zu nehmen, doch vor allem der zweite Punkt bereite ihm schlaflose Nächte. „Wir haben noch nie mit etwas gelebt, das klüger ist als wir“, sagt Hinton. „Und wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen.“
Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten
Viele fragen sich vielleicht: Warum stoppen wir die Entwicklung nicht einfach?
Hintons Antwort: Weil KI für zu viele Dinge nützlich ist – in Medizin, Bildung, Forschung, Wirtschaft, Militär.
Und hinzu kommt noch der globale Wettbewerb: Selbst wenn Europa bremst, würden USA oder China weitermachen.
Die wirtschaftliche Sprengkraft
Besonders kurzfristig sieht Hinton die größte Gefahr in Jobverlusten.
„In Call-Centern wird KI 80 % der Anfragen übernehmen können – und das passiert nicht in zehn Jahren, sondern jetzt“, warnt er.
Ja, es wird neue Jobs geben – aber wer glaubt, KI könne alles ersetzen, nur nicht „Kreativität“, unterschätzt ihre Fähigkeit, Analogien zu erkennen und zu kombinieren. Das ist Kreativität, nur in atemberaubender Geschwindigkeit.
Die Frage ist: Was ist Kreativität?
Wir müssen uns hier zunächst einmal kurz fragen, was Kreativität eigentlich ist, denn der Begriff lässt sich auf nahezu alles anwenden: vom Tassenbemalen über das Erstellen von TikTok-Clips, vom Verzieren von Einkaufszettel mit Schnörkeln bis hin zu Opern, Romanen oder Gemälden, die Menschen nach Jahrhunderten noch bewegen. Alles hat seine Berechtigung, doch nicht alles ist gleich.
KI-Werkzeuge sind zunächst einmal großartige Hilfsmittel, vor allem wenn es um schnelle, solide Resultate ohne höchste Qualitätsansprüche geht – wie z.B. das Bild von mir mit einem Pümpel in der Hand. Sie können Ideen visualisieren, Richtungen vorgeben und handwerkliche Zwischenschritte abkürzen.
Manchmal will man das, manchmal nicht – doch wenn man es will, dann liefert KI oft Ergebnisse, die „gut genug“ sind.
Wozu Hinton rät
– Berufe mit manueller Kompetenz werden länger überleben (daher: Klempner, Elektriker, Mechaniker).
– Politischer Druck ist nötig, um Unternehmen zu verpflichten, mehr Ressourcen in KI-Sicherheit zu stecken.
– Regulierte Märkte können Innovation und Sicherheit verbinden – wenn Politik und Industrie sich nicht gegenseitig ausbremsen.
Mein Fazit
Ich finde es bezeichnend, dass einer der Väter moderner KI inzwischen mehr Zeit damit verbringt, über Risiken zu sprechen als über Potenziale.
Sein Klempner-Rat ist natürlich zugespitzt – aber er zeigt, dass wir über Berufs- und Lebensperspektiven neu nachdenken müssen.
KI wird langfristig nicht einfach nur „unsere Arbeit unterstützen“. Sie wird Tätigkeiten ersetzen, von denen wir bisher dachten, sie seien sicher.
Und während wir uns fragen, wie wir uns absichern können, steht ein weiterer Satz im Raum, der mich seit dem Interview nicht mehr loslässt:
„Wenn du wissen willst, wie es ist, nicht mehr die klügste Spezies zu sein – frag ein Huhn.“



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