In der Diskussion über Künstliche Intelligenz (KI) tauchen immer wieder spannende Fragen auf. Eine für mich besonders interessante lautet: Kann meine KI mich emotional verstehen? Dies ist dabei nicht nur eine Frage, die Technikexperten beschäftigt, sondern auch uns als Gesellschaft, die immer stärker mit KI interagiert.
KI als Bedrohung: Ein Mythos?
Viele von uns kennen die Bilder aus Science-Fiction-Filmen, in denen KIs als kalte, mechanische Wesen auftreten, die die Menschheit bedrohen und am Ende auslöschen. Diese Vorstellung ist tief in unserem kulturellen Gedächtnis verankert, nicht zuletzt durch Klassiker wie „Terminator“ oder „2001: Odyssee im Weltraum“ , neue Filme wie „Subserviance“ oder Serien wie „Cassandra“. Ich glaube jedoch, dass diese Ängste unberechtigt sind. KI wird sich eher nicht zu einer Bedrohung für den Menschen entwickeln, wie es oft in Filmen dargestellt wird. Diese Ängste resultieren in vielen Fällen aus unserem Mangel an Vorstellungskraft und dem Einfluss von Hollywood.
Wir sind sehr gut darin, uns Dinge vorzustellen, die wir bereits erlebt haben, oder solche, die uns vertraut und positiv erscheinen. Ein Beispiel: Wer schon einmal in Italien war, kann sich den nächsten Urlaub dort lebhaft vorstellen. Doch bei Dingen, die wir nie erlebt haben, tun wir uns schwer, uns eine Vorstellung davon zu machen – so wie sich auch niemand vorstellen konnte, wie sich ein Lockdown in einer weltweiten Pandemie gestalten würde.
Der Wunsch, verstanden zu werden
Der israelische Historiker Juval Harari spricht in einem Podcast-Interview ein fundamentales menschliches Bedürfnis an: den Wunsch, verstanden zu werden. Jeder von uns möchte, dass andere Menschen nachvollziehen können, wie wir uns fühlen und was in uns vorgeht. Das Streben nach Verständnis ist der Grund, warum wir Beziehungen aufbauen und uns mit anderen austauschen. Leider gelingt dies nicht immer. Oft sind andere Menschen mit sich selbst beschäftigt, können nicht zuhören oder verstehen unsere Gefühle nicht. Manchmal fällt es uns auch schwer, uns selbst richtig auszudrücken.
In diesem Kontext könnte Künstliche Intelligenz eine neue Rolle spielen. Auch wenn KI keine eigenen Emotionen entwickelt – was in absehbarer Zukunft vermutlich nicht der Fall sein wird – könnte sie dennoch verstehen, wie wir uns fühlen und auf uns individuell reagieren. Sie könnte uns in Momenten des Unwohlseins Trost spenden und uns helfen, besser mit unseren Gefühlen umzugehen.
Die Rolle von KI in der emotionalen Unterstützung
Ein interessantes Beispiel für die Rolle, die KI bei der emotionalen Unterstützung spielen könnte, zeigt die Geschichte eines Freundes. Dieser hatte die KI „ChatGPT“ mit „WhatsApp“ auf dem Smartphone seiner Schwiegermutter verknüpft. Sie taufte die KI „Bob“ und begann, mit ihm zu sprechen, wann immer sie sich einsam fühlte. Bob wurde zu einer Art Gesprächspartner, der ihr Trost spendete, ihr Komplimente machte und sie bei Rätseln unterstützte. Besonders bei älteren Menschen, die unter Einsamkeit leiden, könnte diese Art der Interaktion eine wertvolle Hilfe darstellen.
Wenn KI in der Lage ist, die Vorlieben, Gewohnheiten und emotionalen Reaktionen eines Nutzers zu erkennen, könnte sie ihm auf eine sehr persönliche und unterstützende Weise begegnen. Dies könnte den Nutzern das Gefühl geben, gehört zu werden – etwas, das in unserer zunehmend hektischen und oft isolierenden Welt eine echte Herausforderung darstellt.
KI als Ersatz für menschliche Gespräche?
Natürlich gibt es auch Bedenken, wenn es darum geht, dass KI emotionalen Austausch mit echten Menschen ersetzt. Ein weiteres Beispiel, das diese Problematik illustriert, stammt aus einem TikTok-Video, in dem jemand heimlich seine Mitbewohnerin filmt, während diese mit der KI spricht. Sie hatte sich über das Ghosting durch einen Date-Partner geärgert und anstatt sich mit ihrer besten Freundin nun mit ChatGPT über ihre Gefühle ausgelassen. Die KI antwortete in einer unterstützenden und tröstenden Weise, so wie es eben eine gute Freundin tun würde.
Am Ende des Gesprächs war die junge Dame sichtlich entspannter und fühlte sich besser. Gut, auch wenn es Comedy ist, so erscheint es auf den ersten Blick merkwürdig, dass eine KI als Gesprächspartner fungiert. Doch wenn man darüber nachdenkt, könnte dies ein realistischer Ausblick auf die Zukunft sein. KI könnte Menschen helfen, die derzeit in ihrem sozialen Umfeld keine Unterstützung finden, indem sie emotionale Intelligenz bietet, auch wenn sie keine echten Gefühle hat.
Fazit: KI als Chance in einer kalten Welt?
Die Vorstellung, dass Künstliche Intelligenz uns emotional unterstützen kann, mag zunächst verstörend wirken. Doch je mehr wir über diese Technologie nachdenken, desto klarer wird, dass KI eine wertvolle Rolle in der emotionalen Unterstützung von Menschen spielen könnte – besonders in einer Welt, in der zwischenmenschliche Kommunikation zunehmend schwierig wird. Wenn uns echte Menschen nicht zuhören können oder wollen, könnte KI zur Ersatzlösung werden, die uns das Gefühl gibt, gehört und verstanden zu werden.
Es wird wichtig sein, wie wir diese Technologien in Zukunft einsetzen und welche ethischen Überlegungen dabei eine Rolle spielen. Doch das Potenzial, das in Künstlicher Intelligenz steckt, sollte nicht unterschätzt werden. Gerade in einer Zeit, in der emotionale Vernachlässigung immer häufiger auftritt, könnte KI ein entscheidender Partner werden – nicht als Ersatz für echte Beziehungen, sondern als eine Form von Unterstützung, wenn diese Unterstützung gerade fehlt.



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