In meinem Webinar vom 3. Dezember habe ich von den Menschen, vor allen Dingen von den Menschen aus dem globalen Süden erzählt, die Inhalte labeln und aussortieren, damit unsere KI ordentliche Ergebnisse ausspucken kann. Ein kleiner Film, den man auf Netflix streamen kann, gibt diesen eigentlich Unsichtbaren ein Gesicht:
Über die normale Suche lässt sich der Film oftmals nicht auf Netflix finden, aber wenn ihr diesen Link verwendet, ist er trotzdem auf einmal verfügbar: https://www.netflix.com/title/82171953
Worum es geht
Bei „Humans in the Loop“ handelt es sich um einen indischen Spielfilm (2025) von Aranya Sahay über eine Frau, die als Datenarbeiterin für KI-Systeme arbeitet und dabei die blinden Flecken dieser Technologien entdeckt. Der Film verbindet sehr konkret die unsichtbare Arbeit hinter künstlicher Intelligenz mit Fragen von kultureller Zugehörigkeit, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung.
Im Mittelpunkt steht Nehma, eine Frau aus der Oraon‑Gemeinschaft in Jharkhand, die nach einer Trennung mit ihrer Tochter Dhaanu und ihrem kleinen Sohn Guntu aus der Stadt in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Um das Sorgerecht für die Kinder zu sichern und die Familie zu ernähren, nimmt sie eine Stelle in einem lokalen Daten‑Labeling‑Zentrum an, in dem Bilder und Videos für internationale KI‑Kunden gelabelt werden.

Mit der Zeit merkt Nehma, dass die starren Kategorien, die das System verlangt – etwa was als „Schädling“ oder „normale Person“ gilt – oft im Widerspruch zur Lebensrealität und Naturwahrnehmung ihrer Gemeinschaft stehen. Dabei entwickelt sich im Film eine zentrale Metapher: Er vergleicht KI mit einem Kind, das lernt, was Menschen ihm beibringen. Doch je nachdem, welche Daten und Perspektiven es bekommt, übernimmt es menschliche Vorurteile und Stereotype. Diese Spannungen verschärfen sich, als Nehma erkennt, dass die von ihr erzeugten Daten globale KI‑Modelle prägen, die indigene Perspektiven verzerren oder unsichtbar machen.
Was Nehma weiß – aber die KI nicht
Nehma ringt zugleich mit einem belastenden Sorgerechtsstreit, den Erwartungen ihres Ex‑Partners und den sozialen Normen rund um ihre nicht offiziell anerkannte „Dhuku“-Ehe. Ihre Tochter Dhaanu fühlt sich hin‑ und hergerissen zwischen dem städtischen Leben, das sie kannte, und der ländlichen, tribal geprägten Umgebung, was zu Konflikten mit der Mutter führt.
Am Arbeitsplatz gerät Nehma mit Vorgesetzten aneinander, als sie bestimmte Label‑Entscheidungen aus ökologischem Wissen heraus anders treffen will – etwa wenn ein Raupenbild als „Schädling“ markiert werden soll, sie es aber als Teil eines komplexen Ökosystems versteht. Diese Reibungen machen sichtbar, wie sehr KI‑Systeme von vorausgesetzten Normen dominiert werden, die wenig Raum für indigene Wissensformen lassen.

Der Blick auf die Unsichtbaren
Der Film zeigt, dass hinter „intelligenten“ Systemen eine schlecht sichtbare, oft weibliche und marginalisierte Arbeitskraft steht, die Daten sortiert, bewertet und Bedeutungen vergibt. Gleichzeitig stellt er die Frage, ob KI jemals wirklich eine Weltanschauung abbilden kann, in der Natur, Gemeinschaft und Spiritualität anders gewichtet sind als in den westlich‑technokratischen Modellen, für die Nehma arbeitet.
„Humans in the Loop“ legt dabei großen Wert auf ruhige, beobachtende Bilder aus Dorf, Landschaft und Arbeitsalltag und entwickelt so eine sehr poetische, aber klare Perspektive auf AI‑Ethik, Datenarbeit und Repräsentation indigener Lebenswelten.
Der Film ist ein ruhiges, aber eindringliches Drama über die unsichtbaren Menschen hinter KI und darüber, was verloren geht, wenn Algorithmen ohne das Wissen derjenigen gebaut werden, die sie mit Daten füttern.




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