KI and me (11): Was soll ich meiner Tochter raten? – 7 Zukunftsimpulse für Eltern im KI-Zeitalter

Meine Tochter – fast 14 Jahre alt, klug, sensibel und neugierig – kommt nach den Sommerferien in die 9. Klasse… und natürlich hat sie schon längst ChatGPT und andere KI-Anbieter für sich entdeckt (alle anderen aus ihrer Klasse ebenso).

Ich musste daher sehr schmunzeln, als ich in der aktuellen brandeins folgende Zahlen fand:

Anteil der Lehrkräfte in Deutschland, die angeben, ihren Schülerinnen und Schülern die Verwendung von KI für Hausaufgaben verboten zu haben, in Prozent: 37

Anteil der Lehrkräfte, die meinen, KI-Nutzung bei Hausaufgaben sicher zu erkennen, in Prozent: 9

Anteil der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland, die angeben, ChatGPT für die Schule zu verwenden, unter anderem zum Erledigen von Hausaufgaben, in Prozent: 65

Das erinnerte mich daran, dass meine Tochter im kommenden Schuljahr, Stichwort: digitales Lernen, ein iPad erhalten wird. Ich durfte dafür einen 27seitigen (!) Vertrag unterschreiben, der regelte, was sie alles damit machen darf. Im Grunde genommen: nichts. Als ich dann noch hörte, dass eine gute Anzahl der Lehrkräfte ohnehin nicht damit arbeiten würde, fiel ich in ein tiefes Loch der Resignation…

Dann fand ich aber noch ein zweites Zitat, das mich nicht mehr loslässt. Es stammt vom Arbeitsforscher Carl Benedikt Frey:

„Die kommenden zwei Generationen sind von Massenarmut bedroht.“

Das klingt dramatisch – und ich empfinde es auch so. Aber vielleicht ist es vor allem ein Weckruf.

Denn Frey meint damit nicht nur Armut im materiellen Sinne, sondern auch in Bezug auf Teilhabe, Orientierung und Entwicklungsmöglichkeiten in einer Welt, die sich rasant verändert.

Denke ich dabei an meine Tochter, frage ich mich oft:
Wie kann ich sie auf diese Zukunft vorbereiten, ohne sie zu überfordern?
Was soll ich ihr raten – jenseits von „Mach was Sicheres“ oder „Lern was mit Menschen“?

Ich habe die Ruhe des Sommers genutzt und mir sieben Impulse überlegt, die mir – als Vater, als Kommunikationsmensch, als KI-Nutzer – wichtig erscheinen. Sie sind kein Rezept, aber vielleicht ein Anfang für eine dringend notwendige Diskussion.


1. Lernen lernen

Nicht Wissen ist Macht, sondern die Fähigkeit, Wissen zu finden, zu prüfen und einzuordnen. Unsere Kinder brauchen keine Lexika – sie brauchen Methoden, Neugier und Frustrationstoleranz.
Wie gut sind unsere Kinder darin, sich selbst etwas beizubringen?


2. Digitale Mündigkeit

KI-Tools wie ChatGPT oder Midjourney werden ihre Welt prägen – im Alltag, in der Schule und eines Tages auch im Beruf.
Aber: Wer nur konsumiert, bleibt Spielball. Wer versteht, kann gestalten.
Wir müssen mit unseren Kindern über Daten, Algorithmen, Deepfakes und digitale Ethik sprechen. Und gemeinsam Tools ausprobieren.


3. Kreatives Denken

Künstliche Intelligenz wird nie originell sein. Sie kann simulieren – aber nicht wirklich erfinden. Kreativität bleibt menschlich. Wie leicht fällt es unseren Kindern, ungewöhnlich zu denken?
Wir müssen uns mehr verrückte Dinge ausdenken, neue Welten. Nicht nur Dystopien, in denen uns unsere Toaster eines Tages töten werden, sondern Utopien. Wie wollen wir eines Tages leben? Fehler sind in diesen Denkspielen ausdrücklich erlaubt.


4. Emotionale Intelligenz

Eigentlich ein No-Brainer. Wertvoll wird, wer gut mit Menschen umgehen kann. Wer zuhören kann. Konflikte löst. Sich selbst kennt.
Das wird nicht im Matheunterricht gelehrt, aber überall gebraucht.
Sprechen wir zu Hause oft genug über Gefühle, über Missverständnisse und/oder darüber, wie gute Kommunikation aussieht?


5. Weltblick

Sprachen sind wichtig, klar. Aber wichtiger als Vokabeln sind meiner Meinung nach Offenheit und Perspektivwechsel.
Verstehen unsere Kinder, wie andere leben, denken, fühlen?
Ob durch Reisen, Austausch, Serien im Originalton oder Gespräche am Küchentisch – Weltkompetenz ist Zukunftskompetenz.


6. Selbstorganisation

Schlagwort VUCA. Ein Akronym, das für Volatility (Volatilität), Uncertainty (Unsicherheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit) steht. Es beschreibt die Herausforderungen einer sich schnell verändernden und schwer vorhersehbaren Welt. Doch je schneller diese Welt wird, desto wichtiger wird Struktur.
Kinder sollten daher lernen, sich selbst zu führen: mit Zielen, mit Grenzen, mit Zeitgefühl.
Was kann mein Kind heute schon allein organisieren?
Einen Wochenplan? Einen Ausflug? Ein eigenes Lernprojekt?


7. Haltung zeigen

KI wirft unzählige ethische Fragen auf: Wer entscheidet was? Wer übernimmt Verantwortung?
Unsere Kinder brauchen daher mehr denn je Werte, Rückgrat – Sinn. Das muss alles noch nicht perfekt, aber ihnen durchaus bewusst sein
Wofür stehen unsere Kinder? Was ist ihnen wichtig? Was wollen sie bewegen?


Und jetzt?

Wir sollten uns als Eltern darüber klar sein, dass Schule all das nicht leisten kann. Ich fürchte, wenn KI im Schulalltag angekommen ist, hat meine Tochter schon ihren Abschluß gemacht… Kein Vorwurf an die Lehrenden, sondern einfach meine Einschätzung.
Doch ich bin überzeugt davon: Zukunft beginnt nicht mit Technik (s. iPad) – sondern mit Beziehung.

Wie immer können wir jedoch als Eltern nur die Kompetenz weitergeben, die wir selbst erworben haben. Wie gehen wir selbst um mit diesen 7 Impulsen, mit KI und ihren Folgen?

Eigentlich möchte ich einfach nur nicht, dass Carl Frey recht behält.

Lasst uns dieses Thema gerne weiterentwickeln – Platz dafür ist in den Kommentaren – oder schreibt mir eine Mail an m@kketing.de

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