Kann sich noch jemand an dieses nervige Kerlchen erinnern?

Karl Klammer feierte sein Debüt in Microsoft Office 97 als akrobatische virtuelle Büroklammer, die bereit war, bei der Erledigung jeder Aufgabe zu helfen. Also eine künstliche Intelligenz, nur das sie noch nicht so intelligent war…
Schrieb man das Wort ‚Liebe‘ ging Karl Klammer ungefragt in den Briefschreibmodus über und war bereit, die intimsten Gedanken einer Person zu strukturieren.
Vater von Karl war der Informatiker Eric Horvitz, der lange bei Microsoft als führender Wissenschaftler (Chief Scientific Officer) tätig war und die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz vorangetrieben hat. 2007 verstarb „Clippy“, wie er im Original hieß, dann wieder.
Ein anderes Beispiel: Ich habe in der Schule tatsächlich noch gelernt, einen Rechenschieber zu verwenden:

Natürlich habe ich alles vergessen, denn ab der Oberstufe durften wir „künstliche Intelligenz“ nutzen: den TI-35. Ein Wunderwerk der Technik – zumindest für mich und meine Mitschüler:

Ein letztes Beispiel noch: das Tamagotchi!

Wer kann sich erinnern? Ständig hing man an diesem Ei, um das kleine süße Tierchen zu füttern, mit ihm zu spielen und die Kaka wegzumachen – künstliche Intelligenz.
Ich könnte die Beispiele noch endlos fortsetzen. So gut wie alles, was wir heute wie selbstverständlich benutzen, startete einmal als wundersame KI: unsere Smartphones und Computer, Apps, Video- und Konsolenspiele – sie alle waren zum Zeitpunkt ihrer Einführung für die Menschen eine Form von künstlicher Intelligenz. Heute grinsen wir über diese Artefakte, aber der Ablauf ist immer gleich gewesen. Sie erleichtern uns den Alltag (Taschenrechner), sie unterhalten uns (Tamagotchi) oder sie nerven auf Dauer (Karl Klammer). Und immer lösen sie Diskussionen mit Hang zum (kulturellen) Weltuntergang aus: Der Taschenrechner verblödet, weil niemand mehr rechnen lernt, das Tamagotchi ist ein Fantasiekiller, weil niemand mehr richtig spielt, und Karl Klammer…. naja, ihr wißt schon.
Kurzum: Künstliche Intelligenz ist nichts Neues. Was Intelligenz in diesem Zusammenhang bedeutet, können wir gar nicht beschreiben, fehlt uns doch schon das Verständnis, was menschliche Intelligenz ausmacht und wie diese funktioniert. Nach wie vor berechnet Chat GPT Wahrscheinlichkeiten, allerdings auf einer riesigen Wissensbasis. Künstliche Intelligenz kann Informationen in rasender Geschwindigkeit verarbeiten und neu kombinieren – ohne zu verstehen, was sie da tut.
KI wird aber (vorerst) nie dorthin vordringen können, wo es eigentlich interessant wird: in die Tiefen des menschlichen Denkens. Aber nur dort entstehen Dinge, die uns selbst überraschen und uns als Menschheit voranbringen. Wenn sie uns dabei helfen kann, uns weniger ablenken zu lassen und lästige Routinearbeiten nicht mehr selbst machen zu müssen, dann hätten wir wieder viel mehr Zeit für dieses eigenständige Denken…
Verzeiht, ich bin Romantiker, ich glaube noch an das Unglaubliche.



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