Auf Wiederröhren und Prost!

„Jagd“ ist heute das Thema bei „2 auf eins“ und so beschäftigte ich mich natürlich vorbereitend ein wenig mehr mit Jägermeister. Nein, nicht trinkender Weise…. Das radioeins-Interview kann wie immer hier nachgehört werden:

Was als Trunk für wack’re Jägersleut begann (siehe Waldi), ist heute von den Partys und Festival dieser Welt nicht mehr wegzudenken.

Einer der Väter des Erfolge war Günter Mast, der lange Zeit die Geschicke der Mast AG leitete, die sein Großvater einmal als Essig- und Weinhandel gegründet hatte. Mast gehörte zu den Urgesteinen, die Marketing noch aus dem Bauch betrieben – sprich: nach eigenem Gefallen.

So wählte er immer eigenständig die Sprüche und Motive der genialen „Jägermeister“-Kampagne: „Ich trinke Jägermeister, weil….“ aus – sein wichtigstes Kriterium dabei war, ob er selbst darüber lachen konnte.

klassisches „witziges“ Motiv….

Lachen konnte er beispielsweise über: „weil ich am liebsten im Wald und auf der Heide meine Freude habe.“ (erster Spruch aller Zeiten) und „…,weil ich zwar den Numerus Clausus nicht geschafft habe, dafür aber die Nummer mit Claus.“ Das fand dann der deutsche Werberat nicht komisch sondern sittenlos, und rügte die Anzeige. Woraufhin Mast versuchte, den deutschen Werberat abzuschaffen…

Ohnehin war Mast sehr streitfreudig: Er überzog jeden, der mit der Satzkonstruktion „weil…“ warb, mit einem Plagiatsvorwurf, wollte sich dieses „weil“ sogar schützen lassen (der Prozess zog sich über mehrere Instanzen) und verklagte zu guter Letzt die eigene Agentur, weil sie einem anderen Kunden angeblich ein zu ähnliches Konzept verkauft hätten.

Auch die Satire-Zeitschrift „pardon“ wurde auf 1 Million D-Mark Schadensersatz verklagt – und zwar für folgendes Motiv:

nicht "komisch"....
nicht „komisch“….

Aber auch hier konnte sich Jägermeister nicht durchsetzen…. Insgesamt kam die Kampagne jedoch auf über 3.500 Motive!

1973 startete Mast den nächsten Coup. Der vorangegangene Bundesliga-Skandal führt zu einem massiven Zuschauerrückgang in den Stadien und damit auch zu finanziellen Problemen bei manchen Vereinen. Mast sah seine Stunde, packte den Geldkoffer und „kaufte“ sich bei Eintracht Braunschweig ein. Erste Amtshandlung: Per Satzungsänderung wurde das Logo des Vereines vom Löwen zum Hirschen verändert – die erste Trikotwerbung in Deutschland!

Na, wer erkennt ihn?

Der DFB sah das nämlich gar nicht gerne und hatte dies schon 1967 Wormatia Worms verboten – die sich fügten. Mast focht diesen Kampf aus. Er wurde Präsident („aber nur, um zu gucken, wo mein Geld bleibt“) und versuchte dann noch die Namensänderung in „Jägermeister Braunschweig“ durchzuboxen, womit er jedoch scheiterte. Der Sport war ihm egal: „Ich will nur Werbung, der Fußball interessiert mich nicht.“ Und so zog er sich dann auch aus diesem Geschäft wieder zurück.

Lustige Werbung sah bei Jägermeister in den 80ern noch so aus:

Doch schon zuvor versuchte sich die Marke  zu verjüngen *räusper*: Ältere Semester kennen vielleicht noch diesen – zu damaliger Zeit – kultigen Partyspaß:

Richtig cool wurde Jägermeister dann erst ab dem Jahre 2000. Seit den 80ern fungierte nämlich die Sidney Frank Importing Company als Exklusiv-Importeur für die Vereinigten Staaten. Da das Getränk dort noch nicht als verstaubtes Opa&Oma-Gesöff galt, brachte es Frank direkt in die Clubs – und kühlte es dort. Nur: Kalte Getränke stehen im Kühlschrank – und was dort versteckt steht, wird nicht getrunken! Also erfand Frank eine exklusive Zapfanlage – Jägermeister wurde „sichtbar“ – und dank der „Jägerettes“, miniberockten, orange-farbenen Promomädels,

entwickelten die jungen Amis eine unheimliche Vorliebe für den deutschen Kräuterschnaps. Anhaltend. Fast 50% des weltweiten Umsatzes wird nach wie vor in den Vereinigten Staaten generiert.

Dieser Erfolg wurde nun nach Deutschland zurück importiert und verjüngte die Marke ungemein. Heute sehen die hippen Jägermeister-Spots so aus:

Es gab jedoch auch einige eher bedenkliche Ausreisser, wie dieser Versuch, irgendwie was „youtube-mäßig virales“ zu machen:

Jägermeister bleibt aber die meistgetrunkene deutsche Spirituose rund um den Erdball – und konnte es sich sogar erlauben, Werbung für „Kein Jägermeister“ zu machen… 🙂

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