Ich glaube, dieser Satz reicht schon komplett aus, um im Hirn jeder Leserin, jedes Lesers die Verbindung zu einem bestimmten Produkt herzustellen: den Schokoküssen.
Heute geht es bei den Jungs von „2aufeins“ um das Thema „dick“ und wir wollen am Beispiel Dickmann’s besprechen, was ein Unternehmen macht, wenn das Produkt auf einmal nicht mehr so bezeichnet werden kann wie bisher. Nachzuhören ist das radioeins-Interview hier:
Die Älteren unter uns haben beim Konditor früher vielleicht noch den „Mohrenkopf“ bestellt oder den „Negerkuss“. Heute werden diese Produkte neutraler benannt: „Schaumküsse“ oder „Schokoküsse“.
Der «Mohrenkopf» wurde im Zusammenhang mit Süssigkeiten im deutschsprachigen Raum erstmals im 19. Jahrhundert erwähnt und gilt als Erfindung Leipziger Bäcker. Der Begriff ist eine Übersetzung des französischen tête de nègre.

In Deutschland wurde der Begriff „Negerkuss“ gebräuchlicher, da auf der Verpackung der Firma Hansematz zwei sich küssende dunkelhäutige Afrikaner abgebildet waren. Wobei auch anzumerken sei, dass für die Herstellung früher die Zucker-Ei-Masse getrocknet wurde und dies dann einem Baiser entsprach. Baiser heißt aber im Französischen nichts anderes als „küssen“
Die Diskussion um diese durchaus rassistischen Bezeichnungen begann bereits Ende der 70er Jahre. Der Rassismus ist offensichtlich, da der Produktname (losgelöst von der Herstellungsweise) mit der dunklen Hautfarbe von Menschengruppen in Verbindung gebracht wird. „Mohrenköpfe“ entstammen zudem einer Zeit, in der die Kolonialmacht Deutschland in Afrika die einheimische Bevölkerung unterdrückt und Aufstände blutig niedergeschlagen hat. Daran möchte die werte Kundschaft natürlich nicht bei jedem Bissen in den knackigen Schokokuss erinnert werden.
1962 sah die Welt – nicht nur in der Schweiz – jedoch noch anders aus:
Beide Begriffe wurden übrigens nicht verboten, sondern die meisten produzierenden Unternehmen entschieden sich selbst dafür, diese nicht weiter zu verwenden.
Lange Zeit wurden „Negerküsse“ vor allem von kleineren Bäckereien und Konditoreien hergestellt. Erst in den 1950er Jahren begann die Herstellung in industriellem Maßstab. Von einem Markenprodukt konnte zu dieser Zeit allerdings noch keine Rede sein – Negerküsse waren namenlose Produkte wie etwa Pfannkuchen.
Doch dann kamen die Super Dickmann’s:
Der Konditor Johannes Dickmann entwickelte 1953 zusammen mit dem Kaufmann Teschemacher die Firma Dickmann in Iserlohn. 1981 erkennt die Firma Storck das Potenzial des Qualitäts-Schaumkusses und übernimmt „Dickmann“. Doch erst 1985 machte Storck aus diesem namenlosen Schokokuss einen Markenartikel, indem sie die Rezeptur optimierte, Produktmerkmale wie supergroß, prall und schokoladig hervorhob und das Produkt erstmalig bewarb. Mit den Super Dickmann’s in der Frischebox (Slogan: Mann, sind die Dickmann!), die regelmäßig im Fernsehen angepriesen wurden, erreichte Storck, dass Super Dickmann’s in Deutschland zu einem Synonym für Schokoküsse wurde.
Doch auch andere Unternehmen sahen sich dazu veranlasst, sich vom Mohren, der Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts auch für Exotik und Märchenhaftes stand, zu verabschieden.
Als Beispiel sei hier noch der Sarotti-Mohr genannt, der mich ja immer ein bißchen an den kleinen Muck erinnert hat. Gerade Produkte wie Tabak oder Schokolade nutzten lange gewisse Stereotype, um ihre Produkte erfolgreich in den Köpfen der Kunden zu verankern. So auch Sarotti:

Heute gibt es diesen Mohren nicht mehr, sondern stattdessen den „Magier der Sinne“, einen auf einer Mondsichel balancierenden Magier mit goldener Haut, der nach den Sternen greift.

Doch nicht immer ist die Bezeichnung „Mohr“ so einfach rassistisch aufzufassen wie in diesen genannten Beispielen. Manches Mal lohnt der differenzierte Blick. So fand ich letztes Jahr in Wien folgenden Hinweis im Schaufenster der dortigen „Mohren-Apotheke“:

„In Europa zur Zeit des Mittelalters war die Medizin noch völlig unterentwickelt. Wirksame Heilmittel kamen aus Afrika und dem Orient.
Zu dieser Zeit wurden viele Apotheken mit Namen wie „Mohren“ benannt. Dies galt als Wertschätzung für die Heilkundigen und ihre Medizin. Wir wollen die Erinnerung an diese Heiler und ihre Heilkunst am Leben erhalten und damit auch in Erinnerung rufen, dass Heilkunst nicht nur in europäischen Klöstern zu finden war.
Im Mittelalter wurden Apotheken in Anerkennung und Bewunderung für die überlegene arabische Medizin und Heilkunde nach den Mohren benannt.
Die rabiate Reduktion des Wortes „Mohr“ auf rassistische Aspekte, die ihm später zugeschrieben wurden, streicht damit eine Geschichte inter-&transkultureller Beziehung aus.“
Es lohnt sich, wie immer, genau hinzuschauen und zu unterscheiden!


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